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„Rewriting modernity“ and „Degrowth now“ (english)
"Die Moderne redigieren" und "Postwachstumsgesellschaft jetzt!"

ROCKBUND ART MUSEUM (Shanghai)

http://www.rockbundartmuseum.org

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"Die Moderne redigieren " und "Postwachstumsgesellschaft jetzt!"

Der Beitrag des in Deutschland lebenden Künstlers Andreas Mayer- Brennenstuhl (AMB) zur Ausstellung "advance through retreat " besteht aus der Installation "Rewriting modernity" und einer performativen Aktion unter Beteiligung des Publikums mit dem Titel "Degrowth now“

Ein spezifisches Element der künstlerischen Arbeit von Andreas Mayer- Brennenstuhl ist es, mit Zitaten, Anspielungen und Verweise auf Philosophie, Kunsttheorie und Kunstgeschichte zu arbeiten.
 
So ist zum Beispiel der Lastwagen, der in dieser Installation zu sehen ist, eine Anspielung auf den LKW, mit dem der Sarg des russischen Künstlers Kasimir Malewitsch zum Friedhof transportiert wurde. Sein berühmtes "Schwarzes Quadrat", das Symbol der suprematistischen Kunst, wurde an der Front des LKW in der gleichen Weise befestigt, wie es in dieser Installation zu sehen ist. Dieses Zitat ist ein Hinweis auf die utopischen Ideen der frühen Kunst der Avantgarde, der Idee der Autonomie auf der einen Seite und der Idee des permanenten Fortschritts auf der anderen.

Der Künstler bezieht sich jedoch auf diese Ideen auf kritische Weise, für ihn hat die Idee der Autonomie nicht nur eine Bedeutung für die Disziplin der Kunst selbst, sondern auch für die moderne Idee des Individuums im 20. Jahrhundert. Wenn er vorschlägt, die Moderne neu zu schreiben, fragt AMB zugleich nach der Bedeutung der Autonomie für das menschliche Subjekt heute: Wird das Bedürfnis nach Autonomie schon durch den Besitz eines Automobiles vollständig eingelöst oder geht es dabei um mehr ? Oder die Bedeutung des Fortschritts: bedeutet Fortschritt nur technologischer Fortschritt oder umfasst dies auch den kulturellen Fortschritt, den Fortschritt von Freiheit und Demokratie, die Entwicklung der Bürgerrechte und der menschlichen Vernunft? Ist Fortschritt nur eine Einbahnstraße, die linear in eine zweifelhaften Zukunft führt oder hat die Geschichte eher eine nichtlineare Struktur mit der Dimension des kreativen und unbestimmtes Denkens, wie dies Künstler praktizieren? Der Künstler AMB ist überzeugt, dass die Folgen dieser Fragen darüber entscheiden, ob die Moderne gegen die Wand gefahren wird oder ob uns der Durchbruch auf die andere Seite gelingt, wie dem "Malewitsch Laster" in seiner Installation .

Der graue LKW in der Installation wird um dokumentatorische Elemente erweitert, das Video ist ein Dokument einer frühen Aktion des Künstlers von 1997, eine so genannte " Intervention im öffentlichen Raum ", eine der bevorzugten Kunst-Praktiken von Andreas Mayer-Brennenstuhl.

Der Inhalt des Videos ist die Dokumentation einer Aktion am 1. Mai in Stuttgart, bei der eine Gruppe von Aktivisten - alle Mitglieder des Kunstraumes Oberwelt e.V. Stuttgart - die offizielle Gewerkschafts-Kundgebung am 1. Mai auf subversive Weise auf einem alten, grauen Lastwagen, mit grauen Bannern und Fahnen, Plakaten und Megaphon-Durchsagen begleiteten. Die Parolen auf den Transparenten waren jedoch keine politischen Parolen, wie man erwarten würde, sondern eine Mischung aus dadaistischen Sätzen und Zitaten aus dem Kontext der "suprematistischen Bewegung" sowie Ausschnitte und Zitate von Publikationen der Philosophen J. Habermas und J.F. Lyotard. So ist zum Beispiel der Titel der Installation „Redigieren der Moderne" der Titel eines Essays von J.F. Lyotard über die Postmoderne, ein weiterer Satz auf einem Demonstrationsplakat ist ein Zitat aus einem Essay mit dem Titel "Die unvollendete Moderne" von J.Habermas und " Schlagt die Weißen mit dem roten Keil "ist der Titel eines Bildes des konstruktivistischen Malers El Lissitzky. Die Intention des Kunstwerks it also keine politische Botschaft, sondern eine philosophische mit einem kulturkritischen Moment .

Dieses Element der Kulturkritik wird von dem Künstler in dem anderen Teil seiner Installation mit dem Titel " Degrowth now " aufgegriffen. Was könnte das "Redigieren der Moderne" bedeuten, wenn wir unter Moderne etwas anderes verstehen als das 20. Jahrhundert? Mit seinem Partizipations-Projekt zeigt der Künstler Alternativen auf zu den modernen Strategien der ständigen Expansion und des unendlichen Wachstums, er fragt danach, welche Folgen es für unser alltägliches Leben haben könnte, wenn wir statt dieser alten Strategien neue erproben, "RE- Strategien" – wie zum Beispiel REparieren, REkombinieren , REgenerieren , REnaturieren oder eben „REtreat“ (Rückzug)?
 
Dieses partizipative Projekt bietet dem Publikum die Möglichkeit über "eine andere Moderne" zu reflektieren, damit werden die Ideen der Zuschauer zu einem Teil der Installation, am Ende der Ausstellung soll ein Bild einer großen Demonstration für "Postwachstum" stehen.




„Rewriting modernity“ and „Degrowth now“

The contribution of the Germany based artist Andreas Mayer-Brennenstuhl (AMB) to the exhibition „Advance through retreat“ constists of an installation and a performative activity which includes the audience´s participation.

A specific element of the artwork of Andreas Mayer-Brennenstuhl is to work with quotations, allusions and references to philosophy, art theory or art history.

For example the truck you see in this installation -breaking through a wall-, is an allusion hinting at the truck, on which the coffin of the famous russion artist Kasimir Malevich was transported t o the cemetery. His famous „black square“, the icon of suprematistic art, was attached at the front of the truck in the same way as you see in this installation. This quotation is a reference to the utopian ideas of the early art avantgarde, the idea of autonomity on the one hand and the idea of permanent progress on the other.

However, the artist refer to this ideas in a critical way, for him the idea of autonomy has not only a meaning for the discipline of art itself, but also for the modern idea of the individual in the 20th century. So when he proposes to rewrite modernity, AMB asks at the same time for the meaning of autonomy of human subjects today: Is autonomy only redeemed in owning a car („automobile“) or is there more to it then that? Or the meaning of progress, does this only denote technolocical progress or does it also enclude cultural progress, progress of freedom and democracy, progress of civil rights and human reason? Is progress just a one-way-street leading in a linear way to a dubious future or is history structured more like a nonlinear system with the dimension of creative and undeterminated thinking as artists practise? AMB is convincted, that the consequences of this questions decide, wether modernity will steer into the wall or break on through to the other side, like the „Malevich truck“ does in his installation.

The grey colored truck in the installation is connected to elements of a documentory, the video is a document of an early art activity done by the artist in 1997, a so-called „intervention in public space“, and shows one of the favourite art practises of AMB.
The content of the video is the documentation of an activity on May 1st in Stuttgart, in which a group of activists – all members of the artspace Oberwelt e.V. Stuttgart- accompany the official rally on the 1st of May organized by the german labour party in a subversive manner on an old, grey van with grey banners, posters and magphonic-mottos. However the mottos on the transparents were no political mottos, as you would expect, but a mixture of dadaistic sentences and quotations out of the context of the "suprematistic movement" and exerpts from publications of the philosophers J. Habermas and J.F. Lyotard. For example the title of the installation „Rewriting modernity“ is the title of an essay of J.F Lyotard on postmodernism, another sentence on a demonstration poster is a quotation from an essay with the title „ the unfinished modern“ by J.Habermas, and „Hit the white with the red chock“ is the title of a panting by the constructivist painter El Lissitzky. So the intention of the artwork is no political message, but a philosophical one with an element of cultural criticism.

This element of cultural criticism is taken up by the artist in the other part of his installation titled „Degrowth now“.
What could it mean to „rewrite modernity“ if modernity is understood as something other than the 20th century did? With this participation-project the artist points at alternatives to the modern strategies of permanent expansion and infinit growth, he asks us, how does every day live change, when we use instead of this „strategies of RE“ - for example such as REpair, REcombine, REadjust, REarrange, REbuild or REtreat?

The participational project provides the audience with the opportunity to think about „an other modernity“, thus, the ideas of the audience become part of the installation, at the end of the exhibition there should be a picture of a huge demonstration for „degrowth“ .