SCOUT(PROTOTYP)

Datierung
2015

„SCOUT (PROTOTYP)“ HKT Nürtingen (2015)

Weißes Kaninchen auf einem dunklen Boden; davor liegt eine grüne Pfeilmarkierung.

Anlässlich seiner „Abschieds- Ausstellung“ als Kunstprofessor an der HKT Nürtingen wurde von Andreas Mayer- Brennenstuhl eine dezente Markierung der im Gebäudeplan verzeichneten Fluchwege mit durchsichtigem Tape vorgenommen . Ein weißes Kaninchen war während der Dauer der Ausstellung in den Fluren unterwegs. Pfeil- Markierung wiesen die Richtung zu den Not-Ausgängen, ergänzt durch einen QR-Code, der beim Einscannen auf die website des von AMB gegründeten „noch-nicht-institutes“ leitete.

Ergänzt wurde die Installation durch einen Text in wissenschaftlichem Jargon, der das Phänomen der „evolutionären Paradoxie“ behandelt, in dem die „leporidae cuniculus“ als Überlebenskünstler bei einem drohenden System-Kollaps vorgestellt wurden.

Textblatt „Fluchtweg-Markierung (Das Wesentliche bleibt unsichtbar)“ mit einem grünen Pfeil, QR-Code und weißer Kaninchensilhouette.
Text zur Fluchtweg-Markierung

„Fluchtweg-Markierung (Das Wesentliche bleibt unsichtbar)“

Fluchtwege sind aus systemtheoretischer Sicht vorab definierte Wahrscheinlichkeitsräume, in denen für Teilmengen von Systemen höhere Überlebenschancen bestehen im Falle eines System-Kollapses.
Die Überlebensfähigkeit von Systemen als Ganzem ist in Bezug auf systemische Katastrophen durch den Grad ihrer Systemvarianz definiert. Hintergrund ist die sog. „evolutionäre Paradoxie“: Während bei einem regulären evolutionären Schritt die bestangepassten Spezies im Vorteil sind, („survival of the fittest“) ist im Falle des drohenden Systemzusammenbruchs die Unangepasstheit von evolutionärem Vorteil! Das bekannteste Beispiel für die systemische Paradoxie der Evolution sind die Vorläufer der Säugetiere, die in unterirdischen Höhlen lebten und Brutpflege betrieben. Während die Saurierähnlichen die schnelle Änderung der systemischen Randbedingungen nicht überlebten, konnten sich diese kaninchenähnlichen Spezies halten und übernahmen die Führungsrolle in der Evolution. Aus systemischer Sicht ist daher die Abweichung ein Entwicklungs-Garant, intelligente Systeme kultivieren daher diese Varianten.
Da jedoch ausgerechnet das Fluchtverhalten der Spezies Leporidae cuniculus in Gefahren-situationen ein besonderes Merkmal dieser Gattung ist, ist die Wahrscheinlichkeit der Flucht-reaktion bei drohenden Systemkatastrophen sehr wahrscheinlich, was für das Überleben des Systems als solchem ein prinzipielles Problem ist. Fluchtwege sind unbedingt frei zu halten

Flucht- und Rettungsplan mit Erdgeschoss-Grundriss, markierten Rettungswegen, Standort, Legende und Verhaltenshinweisen.
Beschreibung des Flucht- und Rettungsplans

Der Plan zeigt das Erdgeschoss mit einem Saal im unteren mittleren Bereich, Gruppenräumen an beiden Seiten sowie Büros, Küche, Garderoben, Waschraum, WC und Treppenbereichen. Ein blauer Punkt mit der Beschriftung „Standort“ liegt am Gang oberhalb des Saals. Grün markierte Wege und Pfeile zeigen Rettungswege; Symbole kennzeichnen Ausgänge und Brandschutz- bzw. Erste-Hilfe-Einrichtungen. Unter dem Grundriss stehen ein Übersichtsplan und eine Legende, daneben Hinweise zum Verhalten bei Unfällen und im Brandfall.

Rückansicht eines weißen Kaninchens auf dem Boden eines langen Innenraums.